WHO: Gegen Ausgrenzung bei Schuppenflechte

GENF (blu) – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Verbesserung der Psoriasisversorgung weltweit auf ihre Fahnen geschrieben. Die Grundlage dazu liefert der “Global Report on Psoriasis“, der jetzt vorliegt. Ein gesellschaftliches Problem stellt die mit einer Schuppenflechte einhergehende Stigmmatisierung dar, gegen die sich die WHO mit ihrer Initiative wendet.

Psoriasis gehört zu den großen Herausforderungen für das öffentliche Gesundheitswesen weltweit. Dem hat die Weltgesundheitsorganisation schon im Frühjahr 2014 Rechnung getragen. Angesichts erheblicher Unter- und Fehlversorgung dieser chronischen, nicht-ansteckenden Erkrankung setzte die Weltversammlung der WHO die Schuppenflechte auf ihre Liste der Erkrankungen, die in den kommenden Jahren besonderer Anstrengungen bedürfen. Der 2016 vorgelegte „Global Report on Psoriasis“ liefert einen Problemaufriss. Weitere Aktivitäten – auch auf nationaler Ebene – sollen folgen.

Ein Grundproblem ist dem Global Report zufolge der Mangel an Spezialisten – Dermatologen, Rheumatologen, Kardiologen – bzw. stark eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten zu solchen Experten gepaart mit einem unzureichenden medizinischen Wissen bei der Basis- und Grundversorgung durch Allgemeinmediziner.

Dahinter steckt in vielen Staaten ein noch weitaus größeres Problem: Es fehlen Mittel zur Finanzierung eines leistungsfähigen Gesundheitswesens. Folge: Betroffene müssen Kosten der Behandlung aus der eigenen Tasche aufbringen. Vor diesem Hintergrund stellt das enorme Preisgefälle zwischen den neuesten hochleistungsfähigen Biologika zu billigen Nachahmerprodukten herkömmlicher systemischer Medikamente zur Behandlung der Schuppenflechte nach Darstellung des Global Report ein reales Hindernis für die bestmögliche medizinische Versorgung dar.

Aus der globalen Sicht der WHO erscheint die Entwicklung in Deutschland geradezu modellhaft für die Möglichkeiten, eine Verbesserung der Psoriasisversorgung auf nationaler Basis zu erreichen. Am Anfang stand dort 2005 eine systematische Bestandsaufnahme, wie ihn jetzt der Global Report für die gesamte Welt versucht. Eine ganze Serie von Versorgungsforschungsstudien beschrieb die vorhandenen Defizite in Deutschland. 2006 folgte eine S3-Leitlinie. Sie umreißt die Standards der medizinischen Versorgung.

 

Nationale Versorgungsziele definieren medizinische Notwendigkeiten

Eine bundesweit koordinierte Psoriasisnetzwerk-Initiative entstand. Der gemeinsame Wille der wissenschaftlichen Fachgesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen mündete schließlich in einer bundesweiten Vereinbarung. In Abstimmung mit dem Deutschen Psoriasis Bund wurden erstmals für den Zeitraum 2010 bis 2015 nationale Versorgungsziele festgelegt.

Für die WHO ist diese Entwicklung der schlagende Beweis dafür, dass „systematische Programme basierend auf Standardisierung, Zielorientierung und Kommunikation sowohl auf der Patientenebene als auch auf Gesundheitssystem-Ebene“ erfolgreich sein können, wenn erst einmal innerhalb des Gesundheitswesens Mediziner und Patienten einen Konsens erreicht haben. Führende Protagonisten des deutschen Models sehen ihr Projekt allerdings längst nicht am Ziel. Die “Nationalen Versorgungsziele” sind Ende April 2016 bis zum Jahr 2020 fortgeschriebenen worden.