Nationale Versorgungskonferenz Psoriasis mit neuen Perspektiven

HAMBURG – Die „Patriotische Gesellschaft“ bot der 11. Nationalen Versorgungskonferenz Psoriasis  (NVKP) einen großzügigen Rahmen. Die regionalen Versorgungsnetze brachten sich aktiv ein. Am Mikrofon Prof. Wiebke K. Ludwig-Peitsch, Vorsitzende des Psoriasisnetzes Berlin und Brandenburg, inmitten weiterer Psoriasisnetzwerkmitglieder aus  Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und weiteren Bundesländern.

 

Das denkmalgeschütztes Zentrum hanseatischer Kultur und Wissenschaft von 1765 signalisiert zugleich den Bedeutungszuwachs, den die NVKP seit dem Start im Jahr 2009 gewonnen hat, sichtbar allein schon an den weiter steigenden Teilnehmerzahlen – vor zehn Jahren knapp 70 heute 170 Teilnehmer –, sichtbar noch viel mehr an den vielfältigen Tätigkeitsfeldern, aus denen bei dieser fünfstündigen Konferenz berichtete wurde: aus den regionalen Psoriasisnetzen, aus der Patientenselbsthilfe, von der FORSA-Umfrage zu Psoriasis, zum Sachstand des wissenschaftlichen Projekt ECHT zur Stigmatisierung bei Hauterkrankungen, zur Gesundheitspolitik, zur weiteren Umsetzung der Versorgungsziele 2016-2020 …

Im Jahr 2020 endet der aktuelle Versorgungsziele-Plan. Die Weichen für eine Neubestimmung werden in den nächsten Monaten gestellt. Der Tagungsleiter und Hamburger Versorgungsforscher, Prof. Matthias Augustin schwor das Auditorium bereits bei der NVKP 2019 auf die Zukunft ein.

Das Bemühen um objektive medizinisch Meßgrößen, die Bestimmung des Pasi und des Deutschen Lebensqualitäts-Index (DLQI) standen bei der Gründung der NVKP im Vordergrund. Das von Prof. Augustin vorgestellte neue Konzept zur Bestimmung von Versorgungszielen lautet „Cumulative Life Course Impairment“ (CLCI). Es will „kumulierenden“ Schaden bei chronischen Erkrankungen vermeiden und setzt auf frühestmögliche Intervention.

Der Grundgedanke ist dabei keineswegs neu. Prof. Augustin selbst und andere hatten dazu bereits 2010  einen Score veröffentlicht. Er ermöglicht es, über die Zeitachse das Risiko zu berechnen, im Verlauf einer chronischen Erkrankung wie der Psoriasis irreversible gesundheitliche Schäden infolge physischer wie psychischer Begleiterkrankungen und Stigmatisierung davonzutragen. Eine frühzeitige Intervention macht sich angesichts zunehmender Komorbidität mit der Dauer einer nicht hinreichend behandelten chronischen Erkrankung auch ökonomisch bezahlt, wie Augustin weiter darstellte.

Patientenzentrierte Gesundheitsversorgung

Die Last der chronischen Erkrankung und die Bedürfnisse des Patienten (patients needs) sollen zu den maßgeblichen Kriterien des Handels werden, so Augustins weitergehende Überlegungen, ganz auf der Linie des “global report on Psoriasis“ der Weltgesundheitsorganisation von 2016. In dieser Hinsicht ist der Pasi nur noch eine, zweifelsohne noch immer sehr wichtige, aber bei weitem nicht mehr die einzige Zielgröße unter vielen anderen, wie der Leiter der NVKP unterstrich. Zugleich geht mit der Orientierung an den Bedürfnissen des Patienten ein Perspektivenwechsel einher, im Sinne des WHO-Dokuments hin zu einer ganzheitlichen Sichtweise, die ihn umfassend in all seinen Lebensbezügen in den Blick nimmt. „People centered healthcare (PHCP) ist die zukünftig maßgebliche Versorgungskonzeption

Prof. Matthias Augustin ist am Mittwoch, 22. September, Gastredner bei der Festveranstaltung des PsoNet Berlin und Brandenburg anlässlich seines 10-jährigen Gründungsjubiläums.