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Fobi 2020 digital: kein erhöhtes Risiko für schweren Verlauf bei Systemtherapie

MÜNCHEN – Gute Nachricht für Menschen mit einer mittelschweren oder schweren Schuppenflechte. „Die Systemtherapie der Psoriasis setzt die Patienten keinem derzeit erkennbaren Risiko für schwere Verläufe einer Covid-19-Infektion aus,“ so Prof. Jörg C. Prinz auf der Fobi 2020 digital.

Der international anerkannte Psoriasis-Experte und stellvertretende Direktor der Klinik und Polikinik für Dermatologie an der Universität München (LMU) gab mit seinem Statement eine klare Antwort auf die besorgte Frage von Fachkollegen und betroffenen Patienten: ob die leitliniengerechte Behandlung der mittelschweren und schweren Verlaufsformen der Psoriasis in Zeit der Covid-19-Pandemie das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht. Schließlich greifen die in der Psoriasistherapie eingesetzten Medikamente in die Immunantwort des Körpers ein, die bei einer Infektion gegen den Covid-19-Virus aktiviert wird.

Tatsächlich besteht für Patienten mit Psoriasis nach den derzeit verfügbaren Daten aus internationalen Krankheitsregistern mit Beteiligung von rund zwei Dutzend dermatologischen und rheumatologischen Fachgesellschaften nur für einen Teil der betroffenen Patienten ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Covid-19-Krankheitsverlauf mit Hospitalisierung, nämlich – wie bei der übrigen Bevölkerung:

  • im höheren Lebensalter über dem 65. Lebensjahr
  • für Raucher

und speziell bei Psoriasis

  • bei Begleiterkrankungen wie arterieller Hypertonie, Diabetes melitus, chronischer Niereinsuffizienz, Lungen- oder  kardiovaskulären Problemen
  • bei einer systemischen Glucocorticosteroid-Behandlung mit mehr als 10 Milligramm Prednison täglich

Die Behandlung mit anderen – konventionellen, gezielten oder biologischen – Systemtherapeutika hingegen geht nicht mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion einher und wird durch eine Blockade mit TNF-alpha-Hemmern nach diesen Daten sogar verringert, wie Prof. Prinz weiter ausführte.

Neue Daten, präzisierte Empfehlungen

Prof. Prinz Analyse stellt insgesamt eine Präzisierung und Weiterentwicklung erster Empfehlungen nationaler und internationaler dermatologischer und rheumatologischer  Fachgesellschaften vom April 2020 dar. Er bezog sich dabei vor allem auf bislang 600 Fälle mit rheumatologischen Erkrankungen aus 40 Ländern weltweit, dokumentiert im Register der Global Rheumatological Alliance. Darüber hinaus berücksichtigte er für seinen Überblick acht in der dermatologischen Fachliteratur veröffentlichte Einzelfallberichte mit ganz überwiegend sehr milden grippeartigen Krankheitsverläufen sowie weitere Hinweise aus europäischen Registern von 23 ärztlichen Fachgesellschaften, in die neben Patienten mit nachgewiesener Covid-19-Infektion auch eine hohe Zahl von Verdachtsfällen eingeschlossen worden sind.

Im Frühjahr des Jahres hatten bereits sechs dermatologische, rheumatologische und gastroenterologische Fachgesellschaften aus Europa Stellungnahmen zu den Risiken einer systemischen Therapie veröffentlicht. Sie empfahlen damals generell, laufende Systemtherapien fortzusetzen, hatten aber im Fall einer Covid-19-Infektion das Aussetzen der Therapie zur Debatte gestellt und bei Neuindikationen sowie bei TNF-alpha-Inhibitoren und Ciclosporin-Therapien wegen unklarer Folgen im Falle einer Covid-19-Infektion zur Vorsicht geraten.

Fast so wie im wirklichen Leben: der virtuelle Eingang zur Fobi 2020

Fobi 2020 innovativ: Online statt in Realpräsens

Die Fobi 2020 konnte aus Gründen des Infektionsschutzes in diesem Jahr erstmals nur online und nicht wie 26 Mal zuvor in ihrer Geschichte als Liveveranstaltungen stattfinden. Tagungspräsident Prof. Lars E. French zog zum Abschluss sichtlich erleichtert eine positive Bilanz. Es sei gelungen, die 54jährige Tradition der Münchener Fortbildungswoche trotz Corona-Pandemie ohne größere technische Probleme als Online-Veranstaltung fortzusetzen

Stolze Bilanz: 2.560 angemeldete Teilnehmer, 220 Referenten, 467 Vorträge, mehr als 100 Sitzungen, 44 Kurse und Workshops in insgesamt 14 virtuellen Räumen, rund 1100 Chats sowie eine virtuelle Industrieausstellung mit 43 Ständen. Positiv wertete der Tagungspräsident den Zugewinn an Interaktivität. Vermisst worden ist nach seiner Wahrnehmung vor allem die Gelegenheit zur Kontaktpflege im vis-a-vis-Gespräch.

Für die nächste planmäßige Fobi im Jahr 2022 hofft Prof. French auf einen verfügbaren Impfstoff. Dann werde es möglicherweise eine Hybrid-Veranstaltung mit Präsensveranstaltungen und mit einem ergänzenden Online-Angebot geben, stellte er in Aussicht.

Ein Teil der Vorträge und sämtliche Poster der Fobi 2020 sind noch bis zum Jahresende 2020 nach Login online verfügbar: www.fortbildungswoche.de.