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Psoriasis ist kein weiterer Risikofaktor für eine Corona-Infektion

BERLIN/ERLANGEN (blu) – Fast auf den Tag vor einem Jahr machte er bundesweit Schlagzeilen als einer der ersten mit COVID-19 infizierter Dermatologen in Deutschland. Jetzt war Prof. Michael Sticherling als Referent ein gefragter Experte bei der Online-Fortbildung des Psoriasisnetzes Berlin und Brandenburg zum Thema „Hauterkrankungen in den Zeiten von Corona“.

Seine Erkrankung hat der leitende Oberarzt am Universitätsklinikum Erlangen inzwischen gut überstanden, aber weiter intensiven Kontakt zu den verschiedenen Aspekten von COVID-19. So konnte er in seinem Beitrag neueste wissenschaftliche Studiendaten mit eigenen Erfahrungen als Betroffener verbinden und beide Seiten in den rund zweistündigen kollegialen Austausch einbringen.

Schlaglichtartig verdeutlichte der Leiter der Psoriasis-Sprechstunde und des Studienzentrums der Erlanger Hautklinik die prekäre Lage. Am Morgen der Veranstaltung waren 23 Millionen Menschen weltweit an Corona erkrankt und allein in Deutschland 66.602 Corona-Tote zu beklagen. Anderseits ist die weltweit kursierende Virusmenge winzig klein: Nach Berechnung beträgt sie lediglich 160 Milliliter, d.h. sie füllt nicht einmal ein Weinglas, wie Sticherling veranschaulichte.

Die vier Schlüsselbotschaften des Abends waren für Hautkranke – speziell für Menschen mit schweren Formen der Psoriasis – und die sie behandelnden Hautärzte positiv: Das SARS-CoV2-Virus ist offenbar nur relativ selten Auslöser von Hauterscheinungen oder gar handfesten Hauterkrankungen. Sein Einfluss auf die Psoriasis ist gering, wenn nicht fraglich. Allerdings hat eine COVID-19-Infektion abhängig von der Erkrankungsphase möglicherweise Konsequenzen für immunsuppressive Therapien.

In der frühen viralen Phase der Erkrankung sollte eine Immunsuppression eher behutsam eingesetzt werden, so Sticherling. In der Phase überschießender Entzündungsreaktionen mit massiver Organbeteiligung hingegen wirke eine Behandlung mit Kortikosteroiden und Antikörpern, wie sie auch gegen die Psoriasis eingesetzt werden, aufgrund einer Blockade der Zytokin-Entzündungskaskade tendenziell positiv auf das Entzündungsgeschehen ein.

Ungewohnte Perspektive bei der Online-Fortbildung am heimischen Bildschirm: im Bild groß die beiden Moderatorinnen, Dr. Margrit Simon und Dr. Sandra Philipp, darüber einige Teilnehmerinnen und der Referent  des Abends, Prof. Michael Sticherlingeingeblendet, andere nur mit Namensschriftzug ohne Videoeinblendung.

Im Falle einer aktiven Corona-Infektion sollten Psoriasis-Patienten die laufende Psoriasis-Therapie von ihrer Hautärztin bzw. ihrem Hautarzt überprüfen lassen und in den meisten Fällen absetzen. Unter Umständen werde eine Therapiepause erforderlich. Aktuelle Daten aus Sicherheitsregistern von Rheumatologen und Dermatologen geben insgesamt keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt unter einer systemischen Psoriasistherapie.

Ein Covid-19-Impfung ist nach den von Sticherling präsentierten Richtlinien des Robert Koch-Instituts und einer aktuellen Stellungnahme des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen medizinisch angezeigt und möglich – vorzugsweise bereits vor Beginn der dermatologischen Therapie. Hinsichtlich der Dringlichkeit gehören dermatologischen Patienten mit chronisch entzündlichen Hauterkrankungen, wie Sticherling weiter ausführte, in der Regel nicht zu den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) definierten ersten beiden besonders gefährdeten Personengruppen, wohl aber in Gruppe 3 wegen „Vorerkrankung mit hohem Risiko“ oder in Gruppe 4 nach Vorerkrankung „mit einem moderat erhöhten Risiko“.

Die bislang verfügbaren mRNA- und Vektor-Impfstoffe seien Totimpfstoffe gleichzusetzen und im Hinblick auf die Verträglichkeit problemlos einsetzbar. Allerdings werden in Fachkreise Therapiepausen zur Optimierung des Impfschutzes diskutiert, die im Falle einer Psoriasis je nach Medikament bei kurzen Verabreichungsintervallen ein mehrfaches Auslassen bedeuten. Eine Unterbrechung über Monate wird jedoch im Hinblick auf die Folgen für den weiteren Krankheitsverlauf in Fachkreisen kritisch gesehen und „ist nach allen Daten, die wir haben, nicht regelhaft nötig“ wie Sticherling unterstrich.

Hinweis: Prof. Michael Sticherling hat seinen Vortrag in Auszügen exklusiv für die ärztlichen Mitglieder des Psoriasisnetzes Berlin und Brandenburg zur Verfügung gestellt. Die Datei steht nach dem Login im geschlossenen Benutzerbereich unter Downloads zur Lektüre zur Verfügung.