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Tücken der Therapie: Immunsuppression erhöht Hautpilz-Risiko

BERLIN – Erkrankungen der Haut sind im Allgemeinen gut sichtbar. Die Blickdiagnostik ist daher eine Domäne der Dermatologie. Aber das äußere Erscheinungsbild kann täuschen.

Entzündliche Hauterkrankungen wie die Psoriasis und Hautpilzerkrankungen sehen einander bisweilen zum Verwechseln ähnlich. Nahezu zwei Dutzend solcher Grenzfälle präsentierte Prof. Pietro Nenoff, Leiter des Mykologie Experten Labors Mölbis, bei der Sommer-Fortbildung des Psoriasisnetzes Berlin und Brandenburg: live bei einer Präsensveranstaltung in einem Hotel am Berliner Hautbahnhof und zeitgleich online zahlreichen weiteren Mitgliedern des Netzes am heimischen Bildschirm.

Mykosen – so der medizinische Fachbegriff für Hautpilze – betreffen Männer wie Frauen gleich welchen Lebensalters. Art und Dauer der Therapie hängen stark von Lokalisation und Ausdehnung des Pilzbefalls ab: Haare, Kopfhaut, Hand, Fuß, Nägel, Genitalien und Schleimhäute, aber auch das Gesicht stellen besondere Herausforderungen für die Behandlung dar. Manchmal kommt ein mehr oder minder quälender Juckreiz hinzu, der schwer belastend sein kann, wie Nenoff ausführte.

Nach Darstellung des Leipziger Hautarztes besteht für Immunsupprimierte generell ein erhöhtes Risiko, eine Mykose zu entwickeln. Dermatolog*innen müssen daher mit einer Hautpilzerkrankung rechnen, wenn sie Psoriasispatient*innen behandeln. Das gilt insbesondere für Biologika-Therapien, wie Nenoff weiter ausführte. Aber auch klassische Psoriasistherapien etwa mit Fumarsäureestern oder Methotrexat können nach seiner Darstellung über die Immunsuppression zu einer Mykose führen, wie er an einer Reihe von Fällen zeigte, bei denen er die Pathogenese, die abklärungsbedürftige Differentialdiagnose und die therapeutischen Optionen samt Medikation erläuterte. Neben den klassischen Hautpilzinfektionen durch Dermatophyten spielen mit Blick auf moderne Biologika zur Psoriasistherapie auch Hefepilze und der Soor der Zunge und Mundschleimhaut als Nebenwirkungen eine Rolle, insbesondere bei Biologika, die Interleukin 17 blockieren.

In Zweifelsfällen und bei unzureichendem Ansprechen der Therapie sei ein Abstrich oder eine Probeentnahme angezeigt. Zur Bestimmung von Hautpilzen ist nach seinen Worten heute die PCR-Diagnostik das Mittel der Wahl.

Kritik übte der international renommierte Mykologe und Laborarzt in diesem Zusammenhang am Druck auf Vertragsärzt*innen, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf die PCR-Diagnostik zu verzichten und weiterhin auf bislang herkömmliche Methoden auszuweichen. Im Übrigen sei die Berufspolitik gefordert, die PCR zum Dermatophyten-DNA-Nachweis im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung angemessen darzustellen.

In der Therapie stellen Patient*innen Dermatolog*innen vor ein bislang kaum lösbares Problem, wenn sie unsachgemäß und zu häufig mit kortisonhaltigen Medikamenten vorbehandelt worden sind. Nenoff sprach im Hinblick auf Berichte aus Indien von einer regelrechten Epidemie resistenter Pilze gegen die Standardtherapie mit dem Wirkstoff Terbinafin, die – weil nicht mehr behandelbar – chronisch rezidivieren und sich über den gesamten Körper ausbreiten können. Nach Studien betrifft dies inzwischen je nach Pilzspezies bereits bis zu 90 Prozent aller mykologischen Patient*innen.

Und noch eines gab der Leipziger Hautpilz-Experte seinen Kolleg*innen mit auf dem Weg: Eine antimykotische Therapie ist fast immer langwierig. Sie zieht sich über Wochen oft auch Monate hin. Und: Der sichtbare Therapieerfolg muss kontrolliert werden, um ein verfrühtes Absetzen der Therapie auszuschließen. Wiederkehrende Rückfälle wären ansonsten die Folge.