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Was für wen? Psoriasis-Begleiterkrankungen richtig behandeln

BERLIN – Psoriasis ist mehr als eine lokale Hauterkrankung. In vielen mittelschweren und schweren Fällen tritt bei dieser chronisch entzündlichen Systemerkrankung Komorbidität auf. Was also tun bei Psoriasispatienten mit rheumatischen Gelenksbeschwerden, mit chronischen Darmentzündungen, mit HIV, mit einer Krebserkrankung, mit Tuberkulose, Hepatitis B oder C, mit einem metabolischen Syndrom oder bei einer psychischen Störung?

Die Auswahl der passenden Therapie unter Berücksichtigung der Begleiterkrankungen stellt angesichts des medizinischen Fortschritts eine Herausforderung für die Behandlung dar, wie Dr. Dagmar Wilsmann-Theis deutlich machte.

Hintergrund: Innovative Medikamente lösen zunehmend herkömmliche Therapiemöglichkeiten ab und vervielfachen die Behandlungsmöglichkeiten. In der Dermatologie sind in den vergangenen fünfzehn Jahren mehr als ein Dutzend neue, spezifisch in den Entzündungsprozess einer Psoriasis eingreifende sogenannte „Biologika“ zugelassen worden.

Neuere Studien zeigen nach Wilsmann-Theis’ Darstellung beispielsweise, dass selbst eine laufende onkologische Behandlung nicht zwingend ein Hinderungsgrund sein sollte, in Abstimmung mit den behandelnden Onkolog*innen bei einem Psoriasis- und Tumor-Patienten einen Wirkstoff einzusetzen, der die Fehlsteuerung des Immunsystems bremst und kontrolliert.

Allerdings gilt diese Entwarnung nur bedingt: Eine Langzeitbehandlung mit einem TNFa-Blocker stelle für den Patienten tatsächlich ein erhöhtes Risiko dar. Und: herkömmliche Systemtherapeutika – Methotrexat und Acitretin – bleiben auch im Zeitalter der Biologika in solchen Fällen zunächst einmal das Mittel der ersten Wahl, so die Expertin.

Infektionsrisiken bei Biologika

Und wie steht es um das Infektionsrisiko bei einer Psoriasistherapie mit einem modernen, in das Immunsystem eingreifende Biologikum? Die Antwort der Bonner Dermatologin fiel differenziert aus: Die vorliegenden Studiendaten zeigen, dass die Gefahr, im Verlauf der Behandlung an einer Lungenentzündung, einer Tuberkulose oder an einer Hepatitis B/C zu erkranken, bei der Anwendung einer Reihe von Biologika insgesamt nicht höher als bei herkömmlichen Medikamenten zur Behandlung der mittelschweren und schweren Psoriasis ist.

Mit auf den Weg gab Wilsmann-Theis den Zuhörern darüber hinaus einen Hinweis auf den online verfügbaren Algorithmus des Deutschen Registers zur Sicherheit von Biologika (RABBIT). Er hilft den behandelnden Ärzten, das Infektionsrisiko bei bestimmten Behandlungsmöglichkeiten für rheumatoide Arthritis vorab besser abschätzen zu können. Neben Lebensalter und Vorerkrankungen fließen in die Wahrscheinlichkeitsberechnung auch Angaben zur aktuellen und zur geplanten (Weiter)Behandlung mit ein.

Impfstatus  erheben

Eine Abfrage vorliegender Impfungen sollte mittlerweile zum Behandlungsalltag vor Verordnung von Systemtherapien bei Psoriasis gehören. Impfungen sind bei solchen Therapien prinzipiell möglich, sofern es sich nicht um Lebendimpfungen handelt. Allerdings müssen dazu besondere, von Medikament zu Medikament unterschiedlich lange Pausen berücksichtigt werden, wie an diesem Fortbildungsabend weiter zu erfahren war.

Insgesamt tut Zusammenarbeit bei der Behandlung von Psoriasis und ihren Begleiterkrankungen not, wie dieser hochsommerliche Fortbildungsabend einmal mehr verdeutlichte. Dies war auch die Botschaft der zweiten Referentin bei dieser ärztlichen Fortbildung, Dr. Susanne Lüders, Rheumatologin am Campus Benjamin-Franklin der Charité – Universitätsmedizin. Sie lud ihre Zuhörerinnen und Zuhörer ein, sich an einer Studie Ihrer Klinik zur Früherkennung von Arthritis und axialer Spondyloarthritis bei Psoriasis-Patienten zu beteiligen.

Familienplanung bei Langzeittherapie

Das Lehrbuchwissen aus dem Medizinstudium reicht heute angesichts immer neuer Forschungsergebnisse und Medikamente für die zeitgemäße Versorgung von Patienten mit Psoriasis nicht mehr aus. Daher hat sich das Psoriasisnetz Berlin und Brandenburg die stetige Fortbildung – einmal im Quartal mittwochsabends – auf die Fahnen geschrieben.

Am 21. November heißt es an gleicher Stelle „Chronisch entzündliche Hauterkrankungen und Familienplanung“. Es spricht: Prof. Dr. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie, CBF – Charité Berlin.