Psoriasisnetz im Jubiläumsjahr 2019 mit neuen Projekten

BERLIN – Prof. Wiebke Ludwig-Peitsch ist neue Vorsitzende des Psoriasisnetzes Berlin und Brandenburg. Die Mitgliederversammlung wählte die Chefärztin der Dermatologie und Phlebologie am Vivantes-Klinikum einstimmig an die Spitze des Netzes.

Nach der Wahl stellte sich der neue Vorstand des Psorisisnetzes Berlin und Brandenburg den Fotografen: Dr. Margit Simon, Dr. Georgios Kokolakis, Dr. Sandra Philipp, Dr. Thomas Stavermann und die neue Vorsitzende Prof. Wiebke Katharina Ludwig-Peitsch.

Das PsoNet bietet seinen Mitgliedern seit Jahren ein qualitativ höchstwertiges Fortbildungsprogramm mit ausgewiesenen Experten als Referenten. Bei den Veranstaltungen wird über den Tellerrand hinaus auf angrenzende Fachdisziplinen geschaut. Dieses Angebot steht seit 2018 auch Assistentinnen und Assistenten in dermatologischer Weiterbildung sowie Interessierten anderer medizinische Fachrichtungen offen. Dies betonte der scheidende Vorsitzende, Dr. Thomas Stavermann, in seinem Rückblick auf die Entwicklung des PsoNet Berlin und Brandenburg.

Zugleich erinnerte der niedergelassene Dermatologe an die Ziele, die der Zusammenschluss von Berliner und Brandenburger Hautärzten allen Bemühungen zum Trotz bislang noch nicht erreicht hat. Die regionalen Krankenkassen blockieren – so Stavermanns Schlussbilanz  – nach wie vor eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Schuppenflechte.

Ein seit vielen Jahren angestrebter Vertrag, der den besonderen Versorgungsbedarf von Patienten mit Schuppenflechte regelt, sei bislang nicht zustande gekommen.  Das gelte auch für eine Initiative des Netzwerks, bestimmte Psoriasismedikamente in seltenen Ausnahmefällen mangels therapeutischer Alternativen außerhalb der Zulassung verordnen zu können. Ebenso wenig sei es dem Vorstand bislang gelungen, die Krankenkassen zu bewegen, die bestehende Regelung zu den Praxisbesonderheiten weiter fortzusetzen. Dies betrifft insbesondere die Verordnung einer neuen Generation von Medikamenten zur leitliniengerechten Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis. Infolge dessen drohe der Fachgruppe, im Jahr 2019 wie in längst vergangenen geglaubten Zeiten mit neuen Regress-Prüfverfahren überzogen zu werden, fürchtet der Berliner Hautarzt.

Vom Psoriasisnetz zum Hautnetz?

2019 besteht das Bundesländer übergreifende Psoriasisnetz zehn Jahre. Für Mitglieder und andere an Psoriasis interessierte Mediziner soll es aus diesem Anlass im Mai 2019 eine besondere Fortbildung mit dem Hamburger Versorgungsforscher Prof. Matthias Augustin bei einer Bootstour auf der Spree geben. Das kündigte die neu gewählte Vorsitzende an.

Im übrigen macht sich das PsoNet in und rund um die Hauptstadt dafür stark, weitere Gebiete der Behandlung von Hautkranken in Netzwerkstrukturen sektorenübergreifend zu behandeln und möglicherweise zu einem „Hautkrankheiten-Netz“ zusammenzuführen.  Darüber informierte der Vorstand die Mitgliederversammlung.

Darmbakterien – Freund und Feind zugleich

Prof. Michael Blaut präsentierte den Stand der Forschung zum intestinalen Mikrobiom.

„Das intestinale Mikrobiom – Freund oder Feind?“ lautete das Thema der anschließenden Fortbildung. Wie Prof. Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) verdeutlichte, stellt die bakterielle Besiedelung des Darmes mit mehreren hundert Billionen Keimen beides dar. So entstehen nach seinen Worten durch die bakterielle Aufspaltung ansonsten unverdaulicher Nahrungsbestandteile im Kolon kurzkettige Fettsäuren, die den Wirt einerseits mit Energie beliefern und andererseits wichtige regulatorische Funktionen erfüllen. Darüber hinaus spielt das Mikrobiom bei der Differenzierung der Darmschleimhaut eine wichtige Rolle. Ebenso bei der Reifung des Immunsystems sowie der Aufrechterhaltung seiner Funktion.

Andererseits aber sind intestinale Bakterien daran beteiligt, chronisch entzündliche Erkrankungen in Gang zu halten. So können sie zu Reizdarm, Morbus Crohn oder auch zu Dickdarmtumoren führen.

Aus älteren Studien ist bekannt, dass beim Menschen Übergewicht mit einer Verschiebung mikrobieller Populationsgruppen im Darm einhergeht. So beobachtete man insbesondere eine relative Zunahme von Bakterien des Phylums Firmicutes bei einer gleichzeitigen Abnahme des Phylums Bacteroidetes. Andere wissenschaftliche Untersuchungen am Menschen legen nahe, dass beispielsweise Clostridium ramosum an der Entstehung des metabolischen Syndroms mit Übergewicht, hohem Blutdruck, Insulinempfindlichkeit und einem gestörten Fettstoffwechsel beteiligt ist.

Neue Strategien gegen Übergewicht gesucht

Blaut und seine Mitarbeiter forschen am DIfE seit Jahren nach Strategien, Übergewicht beim Menschen und damit verbundenen Erkrankungen vorzubeugen. Um mehr über die zugrunde liegenden regulatorischen Prozesse zu erfahren, untersuchten sie in einer Studie Mäuse, die nicht mit mausspezifischen Darmbakterien, sondern gezielt mit Bakterienarten des menschlichen Darms besiedelt waren. Neben der Ernährungsumstellung und der Eradikation zählt die Stuhltransplantation heute zu den gängigen Methoden,  auf das individuelle Mikrobiom Einfluss zu nehmen.

Hochfliegende Erwartungen dämpfte Blaut bei seinen Zuhörerinnen und Zuhörern allerdings mit deutlichen Worten. Von einer vollständigen Entschlüsselung des gesamten Mikrobioms sei die Forschung noch weit entfernt. Oft lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob die Zusammensetzung des individuellen Mikrobioms Ursache oder Folge einer bestimmten Erkrankung sei. Und gleiche Bakterienstämme wirkten von Wirt zu Wirt oft in unterschiedlicher Weise, beschrieb der Potsdamer Mikrobiologe vielschichtige Schwierigkeiten, Ergebnisse der Grundlagenforschung in therapeutische Strategien umzumünzen.