Psoriasis-Fortbildung: Darmbakterien – Freund und Feind zugleich

BERLIN  – „Das intestinale Mikrobiom – Freund oder Feind?“ So lautete das Fortbildungsthema im PsoNet Berlin und Brandenburg  im November 2018. Die bakterielle Besiedelung des Darmes mit mehreren hundert Billionen Keimen stellt beides dar. Das unterstrich Prof. Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in seinem Beitrag. 

Durch die bakterielle Aufspaltung ansonsten unverdaulicher Nahrungsbestandteile entstehen einerseits im Kolon – dem Enddarm –  kurzkettige Fettsäuren. Sie beliefern den Wirt mit Energie und erfüllen wichtige regulatorische Funktionen. Darüber hinaus spielt das Mikrobiom bei der Differenzierung der Darmschleimhaut eine wichtige Rolle, ebenso wie bei der Reifung des Immunsystems sowie der Aufrechterhaltung seiner Funktion.

Andererseits aber sind intestinale Bakterien daran beteiligt, chronisch entzündliche Erkrankungen in Gang zu halten. So können sie zu Reizdarm, Morbus Crohn oder auch zu Dickdarmtumoren führen.

Aus älteren Studien ist bekannt, dass beim Menschen Übergewicht mit einer Verschiebung mikrobieller Populationsgruppen im Darm einhergeht. So beobachtete man insbesondere eine relative Zunahme von Bakterien des Phylums Firmicutes bei einer gleichzeitigen Abnahme des Phylums Bacteroidetes. Andere wissenschaftliche Untersuchungen am Menschen legen nahe, dass beispielsweise Clostridium ramosum an der Entstehung des metabolischen Syndroms mit Übergewicht, hohem Blutdruck, Insulinempfindlichkeit und einem gestörten Fettstoffwechsel beteiligt ist.

Prof. Michael Blaut vermittelte einen aktuellen Überblick
zum Stand der Forschung des intestinalen Mikrobioms.

Neue Strategien gegen Übergewicht gesucht
Blaut und seine Mitarbeiter forschen am DIfE seit Jahren nach Strategien, Übergewicht beim Menschen und damit verbundenen Erkrankungen vorzubeugen. Um mehr über die zugrunde liegenden regulatorischen Prozesse zu erfahren, untersuchten sie in einer Studie Mäuse, die nicht mit mausspezifischen Darmbakterien, sondern gezielt mit Bakterienarten des menschlichen Darms besiedelt waren. Neben der Ernährungsumstellung und der Eradikation zählt die Stuhltransplantation heute zu den Möglichkeiten,  auf das individuelle Mikrobiom Einfluß zu nehmen.

Hochfliegende Erwartungen dämpfte Blaut bei seinen Zuhörerinnen und Zuhörern allerdings mit deutlichen Worten. Von einer vollständigen Entschlüsselung des gesamten Mikrobioms sei die Forschung noch weit entfernt. Oft lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob die Zusammensetzung des individuellen Mikrobioms Ursache oder Folge einer bestimmten Erkrankung sei. Gleiche Bakterienstämme wirkten von Wirt zu Wirt oft in unterschiedlicher Weise, beschrieb der Potsdamer Mikrobiologe vielschichtige Schwierigkeiten, Ergebnisse der Grundlagenforschung in therapeutische Strategien umzumünzen.