Psoriasis und Acne inversa: gleiche Signalwege, gleiche Wirkstoffziele

BERLIN (blu) – Dermatologie im Duett. So sprachen jetzt Dr. Georgios Kokolakis, Leiter des Psoriasisstudienzentrums der Charité-Universitätmedizin Berlin sowie der Psoriasis- und Acne inversa-Sprechstunde, und Dr. Sylke Schneider-Burrus, Chefärztin des Zentrums für Dermatochirurgie der Havelklinik, Berlin im Wechsel über Psoriasis und Acne inversa.

Das Duo war mit Bedacht gewählt. Beide Krankheitsbilder sind klinisch sehr unterschiedlich, weisen aber in immunologischer und genetischer Hinsicht gemeinsame Pathways und gemeinsame Targets auf, wie die beiden Experten ihren Kolleginnen und Kollegen klar machten – Kokolakis zur Psoriasis, Schneider-Burrus zur Acne inversa.
Deutliche Unterschiede gibt es schon bei den Daten zur Prävalenz. Je nach Studie wird bei der AI eine jährliche Neuerkrankungsrate von 4% in Dänemark bis weniger als 0,01 in Großbritannien angegeben. Aktuell gehe man von durchschnittlich einem Prozent aus, so Schneider-Burrus.

Erste Symptome zeigen sich während oder unmittelbar nach der Pubertät, nach der Menopause klingt das Entzündungsgeschehen vielfach ab. Allerdings sei für Deutschland auffällig, dass die Diagnose erst erheblich nach Krankheitsbeginn gestellt werde, nämlich im Durchschnitt mit zwölfjähriger Verspätung und dann oft in einem – bei Männern mehr bei Frauen weniger – weit fortgeschrittenen Stadium mit ausgeprägter Fistelbildung (Hurley-Stadium 2 oder 3).

Ganz anders die Situation bei der Psoriasis: Hier liegen zahlreiche nationale und internationale Studien und damit eine tragfähige Datenlage vor. In Deutschland sind – wie in vielen anderen westlichen Ländern – rund zwei Prozent der Bevölkerung betroffen, also etwa 1,6 Millionen Bundesbürger. Gehäuft tritt die Psoriasis erst im 15. bis 20. Lebensjahr oder – seltener – zwischen 55 und 60 Jahren auf.

Rauchen, Stoffwechsel, Genetik

Zahlreiche Gemeinsamkeiten stellten beide Referenten bei der Pathogenese heraus. So baut sich das Entzündungsgeschehen bei beiden Krankheitsbildern kaskadenhaft auf, und auch die beteiligten Zelltypen und Botenstoffe sind weitgehend identisch: antibakterielle Proteine, TNF-α, Interleukine wie IL17 und IL23, Chemokine, dendritische Zellen und Makrophagen.

Außerdem stimmen zahlreiche Risikofaktoren bei AI und Psoriasis überein. Hierzu zählen vor allem Rauchen, Übergewicht, und mechanische Reibung. Bei einem Teil der AI-Erkrankten – rund 40 Prozent – gibt es eine familiäre Häufung, was einen genetischen Hintergrund wahrscheinlich macht. Aktuell wird ein autosomal-dominanter Erbgang vermutet. Bei der Psoriasis sind die genetischen Ursachen komplexer und ebenfalls noch nicht vollständig erforscht.

Komorbidität sollte früh behandelt werden

Das gleiche Bild ergibt sich bei der Therapie. Auch hier existieren zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede, wie beide Experten anschaulich deutlich machten. Einerseits können die behandelnden Mediziner in beiden Indikationen mit dem biotechnologisch hergestellten Wirkstoff Adalimumab auf ein innovatives Biologikum zurückgreifen, um den chronischen oder chronisch rezidivierenden Entzündungsprozess zu stoppen. Andererseits erfordern die tief in das Gewebe eindringenden Fisteln bei der AI in weiter fortgeschrittenen Stadien oft große und ausgedehnte Operationen. Bei der Behandlung der Psoriasis spielen chirurgische Eingriffe gar keine Rolle.

Dr. Georgios Kokolakis und Dr. Sylke Schneider-Burrus berichteten
in ihrem Fortbildungs-„Duett“ von bemerkenswerten Gemeinsamkeiten, aber
auch deutlichen Unterschieden zwischen Psoriasis und Akne inversa.

Übereinstimmend wiederum erfordert die Behandlung der AI wie die der Psoriasis angesichts einer oft gleichartigen Komorbidität in schweren und schwersten Fällen eine vernetzte fachübergreifende Versorgung. In erster Linie fallen hier das metabolische Syndrom und kardiovaskuläre Begleiterkrankungen ins Gewicht. Aber auch die gravierenden psychischen Folgen der Stigmatisierung durch das Entzündungsgeschehen, Schädigungen der Gelenke – Spondyloarthropathien – und chronisch entzündliche Darmerkrankungen sollten rechtzeitig erkannt und in die Behandlung einbezogen werden.

Biologika in der Erprobung für ein neues Indikationsgebiet

Während für die Therapie der Psoriasis heute in großer Zahl innovative Medikamente zur Verfügung stehen, deren indikationsgerechte Verordnung in einer S3-Leitlinie definiert ist, sind Dermatologen bei der AI-Versorgung mangels geeigneter therapeutischer Alternativen heute immer noch und immer wieder auf Off-label-Genehmigungen der Krankenkassen angewiesen. Dazu erhielt das Auditorium einen praktischen Hinweis: Nach Dr. Schneider-Burrus Erfahrung ist eine solche Anfrage eher erfolgreich, wenn der Patient mit Bildmaterial persönlich bei seiner Krankenkasse vorspricht, um die mit einer AI verbundene Krankheitslast anschaulich darstellen zu können.

Die Teilnahme an einer Studie könnte in manchen, bislang nur schlecht zu behandelnden Fällen eine neue Therapiemöglichkeit bieten. Die Zahl der AI-Studien steige, berichtete Schneider-Burrus. Auf dem Prüfstand stehen Biologika, die ihre Sicherheit und Wirksamkeit zur Behandlung der Psoriasis schon bewiesen haben. Mit weiteren Zulassungen – für die AI aber auch für die Psoriasis – in nicht allzu ferner Zukunft ist zu rechnen. Auch das machte die Fortbildung des Psoriasisnetzes deutlich.