Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, sprich: Wenn man erkrankt ist, begleitet sie einen oft ein Leben lang. Ein wellenförmiger, schubweiser Verlauf ist üblich: Zeiten der teilweisen Besserung oder sogar vollständigen Erscheinungsfreiheit wechseln sich mit Phasen einer akuten oder auch länger andauernden Verschlechterung ab.

Insgesamt verläuft die Erkrankung sehr individuell, sodass Vorhersagen über Häufigkeit und Ausmaß der Schübe nicht getroffen werden können. Ebenso wenig lässt sich die maximale Ausprägung voraussagen.

Betroffene sind der Erkrankung aber keineswegs hilflos ausgeliefert. Heutzutage stehen verschiedenste Therapien zur Verfügung, mit denen sich die Psoriasis bei der überwiegenden Anzahl der Patientinnen und Patienten gut behandeln lässt. Menschen mit Schuppenflechte können zudem versuchen, den Krankheitsverlauf über ihre Lebensweise positiv zu beeinflussen.

Einige Tipps hierzu haben wir für Sie in unserem Ratgeber zusammengefasst.

 

 

Was passiert genau?

Bei der Schuppenflechte kommt es aufgrund einer Überaktivität des Immunsystems zu Entzündungsprozessen, die sich an der Haut durch rötliche oder bräunliche, scharf umrandete und häufig erhabene Plaques äußern. Die Oberhaut erneuert sich zudem um ein Vielfaches schneller als bei Hautgesunden, sodass sich auf der Oberfläche der Plaques eine weißlich-silbrige Schuppung bildet.

Die Überaktivität des Immunsystems entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, inneren und äußeren Reizen. Infolge dessen werden im Körper der Betroffenen sogenannte Entzündungskaskaden aktiviert. Das bedeutet, dass mithilfe von Botenstoffen – wie beispielsweise Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), Interleukin 17 (IL-17) und Interleukin 23 (IL-23) – über mehrere Ebenen entzündungsfördernde biologische Signale entsandt werden. Dieses Ungleichgewicht an übermäßiger Entzündung steht im Fokus moderner innerlicher Therapien, welche sich spezifisch gegen einzelne Botenstoffe richten und diese zum Teil blockieren. Auf diese Weise greifen sie gezielt in das Entzündungsgeschehen ein und dämmen es ein.

Welche Formen der Psoriasis gibt es?

Schuppenflechte ist nicht gleich Schuppenflechte: Es gibt verschiedene Formen, die zum Teil unterschiedliche Symptome hervorrufen. Betroffene können eine, aber auch mehrere Formen gleichzeitig aufweisen.

Bei einem klassischen Erscheinungsmuster ist die Psoriasis für geschultes ärztliches Personal – allen voran Hautärztinnen und Hautärzte – eine Blickdiagnose. Manchmal kann die Psoriasis jedoch auch Symptome und Krankheitserscheinungen aufweisen, die anderen Hauterkrankungen sehr ähneln. In diesen Fällen gestaltet sich die Diagnosestellung etwas schwieriger, sodass die alleinige Betrachtung der Haut oft nicht ausreicht und deshalb um zusätzliche Untersuchungen erweitert wird.

Im Folgenden haben wir die für die jeweilige Form der Psoriasis typischen körperlichen Veränderungen zusammengefasst.

An der Haut unterscheidet man:

Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis):
Dies ist die mit Abstand häufigste Form, die sich durch meist symmetrisch auftretende, scharf begrenzte, rötliche oder bräunliche, erhabene Hautareale (Plaques) mit festhaftender, weißlich-silbriger Schuppung äußert. Typische Lokalisationen sind die Streckseiten von Armen und Beinen, vor allem Ellenbogen und Knie, der Haaransatz, der Bauchnabel, der untere Rücken und das Gesäß. Je nach Schwere der Krankheitsausprägung kann aber auch die übrige Körperoberfläche betroffen sein.

Psoriasis guttata:
Psoriasis mit tropfenförmigen, rötlichen oder bräunlichen Plaques und weißlich-silbriger Schuppung, die über den Körper verteilt auftreten. Diese Variante wird häufiger bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. Sie wird zudem oft durch Infekte, z. B. Mandelentzündungen oder Infektionen der oberen Atemwege, getriggert.

Psoriasis palmoplantaris:
Psoriasis der Handinnenflächen, Fußsohlen und seitlichen Fußränder mit flächigen Rötungen, weißlicher Schuppung und schmerzhaften Rissen. Die Läsionen an den Handflächen können bei sozialen Kontakten und beim Arbeiten mit den Händen einschränkend sein, die an den Fußsohlen beim Laufen.

Psoriasis capitis:
Psoriasis der Kopfhaut mit Rötungen und weißlicher Schuppung. Die Schuppen sind oft störend und können dazu führen, dass Betroffene dunkle Oberbekleidung meiden.

Psoriasis inversa:
Psoriasis in den Körperfalten wie Achseln, Leisten, der Analfalte und unter der Brust, gekennzeichnet durch rötliche oder bräunliche Flecken, häufig ohne Schuppung. Durch das feucht-warme Milieu und die Reibung in diesen Bereichen kann es zu Nässen, Hautablösung und zusätzlicher Besiedlung mit Bakterien und Pilzen kommen.

Psoriasis genitalis:
Psoriasis im Intimbereich mit rötlichen oder bräunlichen Flecken, die nässen können. Intimrasuren können durch kleinste Verletzungen neue Herde provozieren.

Pustulöse Psoriasis:
Diese selteneren Psoriasisformen sind durch eitrige, aber keimfreie Pusteln auf rotem Untergrund charakterisiert. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um Varianten der Psoriasis mit einem eigenen genetischen Hintergrund. Sie lassen sich manchmal nur schwierig behandeln.

Die Psoriasis pustulosa palmoplantaris (palmoplantare Pustulose) ist auf Handinnenflächen und Fußsohlen beschränkt. Zu Rötungen und Pusteln gesellen sich Bläschen, Schuppen und Risse. Bei dieser Form spielt Rauchen eine besondere Rolle: Einerseits stellt es für die Entstehung einen besonderen Risikofaktor dar. Andererseits wirkt es sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus.

Wesentlich seltener ist die Acrodermatitis continua suppurativa Hallopeau, eine pustulöse Form, die von den Kuppen ausgehend einen oder mehrere Finger und Zehen betreffen kann. Hierbei kann es zu Nagelzerstörungen und unbehandelt sogar zum Nagelverlust kommen.

Die sehr seltene Psoriasis pustulosa generalisata weist großflächig Pusteln auf rotem Untergrund auf. Ihre akute Maximalvariante wird als Psoriasis pustulosa generalisata vom Typ Zumbusch bezeichnet und ist ein schweres Krankheitsbild, bei dem der Allgemeinzustand beeinträchtigt sein kann.

Nagelpsoriasis:
Bis zu 50% der Patientinnen und Patienten mit Psoriasis und sogar bis zu 90% der Betroffenen mit Psoriasisarthritis weisen eine Beteiligung eines oder mehrerer Nägel auf. Selten kann eine Nagelpsoriasis aber auch als einzige Manifestation der Psoriasis ohne zusätzliche Haut- oder Gelenkbeschwerden auftreten.

Das Symptommuster ist unterschiedlich, je nachdem, ob Nagelbett, Nagelmatrix oder beide betroffen sind. Es reicht von sogenannten Ölflecken, Splitterblutungen und Tüpfeln bis hin zu aufgesplitterten, gelb-weißlichen, krümeligen Nägeln.
Die Nagelpsoriasis ist schwierig zu behandeln. Bei ausgeprägtem Nagelbefall erzielt man die besten Ergebnisse mit innerlichen Therapien.

Psoriasisarthritis:
Mit diesem Begriff bezeichnet man eine Psoriasis der Gelenke, unter der geschätzt ein Fünftel aller Patientinnen und Patienten mit Psoriasis leidet. Typischerweise entzünden sich Finger- und Zehengelenke, die Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke sowie Knie- und Sprunggelenke. Sind angrenzende Bänder und Sehnenansätze betroffen, nennt man dies Enthesitis.

Frauen und Männer erkranken am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. In den meisten Fällen gehen Haut- und Nagelsymptome den Gelenkentzündungen zeitlich voraus. Hierbei deutet allen voran eine Nagelpsoriasis auf ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Psoriasisarthritis hin.

Im akuten Entzündungsschub werden Morgensteifigkeit, Schmerzen und Schwellung beschrieben, die Haut darüber kann überwärmt und rötlich verfärbt erscheinen. Bei Verdacht auf eine Psoriasisarthritis sind zur Bestätigung der Diagnose jedoch meist weitere Untersuchungen wie Bluttests, Ultraschall, Röntgen und ggf. eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich.

Was macht die Psoriasis noch?

Es gibt weitere Erkrankungen die im Zusammenhang mit einer Psoriasis gehäuft auftreten. Man bezeichnet diese allgemein als Komorbiditäten (Begleiterkrankungen). Diese werden teils durch die bei Betroffenen vorherrschende unterschwellige Entzündung im Körper und teils durch eine gemeinsame genetische Veranlagung hervorgerufen. Zur Entstehung einiger Begleiterkrankungen trägt außerdem ein ungesunder Lebensstil mit Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel bei. Zudem fördert Schuppenflechte ein Schamgefühl sowie ein Gefühl der Stigmatisierung und somit auch psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen.

Betroffene sollten wissen, dass es sich bei der Psoriasis um eine vielschichtige Erkrankung mit möglichen Komorbiditäten handelt, und deshalb regelmäßig auf diese hin untersucht werden. Sind sie sich dessen bewusst, können sie außerdem über Änderungen der Lebensweise manchmal selber zu einer Besserung der Begleiterkrankungen und der Psoriasis beitragen, da diese sich gegenseitig beeinflussen.

Typische Komorbiditäten sind:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Gestörter Fettstoffwechsel
  • Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit)
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen
  • Autoimmunerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew
  • Uveitis