Bei der Psoriasis (Schuppenflechte) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Erkrankung, die nicht ansteckend ist. An der Entstehung sind genetische, innere und äußere Faktoren beteiligt. Eine Heilung ist leider nicht möglich, es steht jedoch eine Vielzahl an effektiven Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Betroffene können durch aktives Mitwirken bei der Behandlung und durch ihre Lebensweise dazu beitragen, eine bessere Krankheitskontrolle und somit eine Verbesserung ihrer Lebensqualität und ihres Wohlbefindens zu erreichen.

Wir haben einige alltägliche Aspekte zusammengefasst.

 

Psoriasis und …

 

Alkohol

Alkohol allein verursacht keine Psoriasis, wenngleich bei Personen mit übermäßigem Alkoholgenuss ein erhöhtes Risiko für den Ausbruch der Erkrankung vermutet wird. Vermehrter Alkoholkonsum kann darüber hinaus Symptome einer bestehenden Schuppenflechte verschlechtern, den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen sowie die Wirkung einiger Medikamente herabsetzen. Außerdem beeinträchtigen einige Medikamente zur Behandlung der Schuppenflechte die Leberfunktion. Spätestens bei Einnahme dieser Präparate sollte der Alkoholkonsum reduziert beziehungsweise so gut wie vollständig vermieden werden!

Bei Schuppenflechte und regelmäßigem, häufigen oder übermäßigen Alkoholgenuss ist ein offenes Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten dringend angeraten. Für alle Beteiligten ist dies ist eine wichtige Information, um gemeinsam die bestmögliche Vorgehensweise zu erarbeiten.

Ernährung

Es ist nicht bekannt, dass bestimmte Lebensmittel Psoriasis auslösen oder verschlechtern. Daher existiert auch keine spezifische „Psoriasis-Diät“. Insgesamt sollte eine ausgewogene und gesunde Ernährung angestrebt werden, wie sie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Bei entzündlichen Erkrankungen wird allgemein zu einer fleischarmen Kost geraten, die reich an Omega-3-Fettsäuren sowie Vitamin C und E ist.

Bei Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen können spezifische Diäten erforderlich sein. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sollte bei Vorliegen solcher Begleiterkrankungen die Ernährung thematisiert werden.

Impfen

Patientinnen und Patienten mit Psoriasis können alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen erhalten, genau wie Menschen ohne Schuppenflechte auch.

Eine Ausnahme hiervon stellen Betroffene dar, die aufgrund der Schuppenflechte mit bestimmten innerlichen Medikamenten behandelt werden. Vorsicht, denn unter diesen Therapien sollten Impfungen mit Lebendimpfstoffen – wie z.B. die Impfung gegen Masern oder Windpocken – nicht ohne weiteres verabreicht werden, da die Abwehrreaktion des Körpers gegen die Erreger vermindert ist.

Deshalb ist es wichtig, dass vor Beginn einer solchen innerlichen Behandlung für den optimalen Impfschutz der Impfstatus ärztlicherseits überprüft und gegebenenfalls vervollständigt oder aufgefrischt wird!

Infektionen

Infektionen, sei es mit Bakterien oder Viren, können einen erstmaligen Psoriasisschub auslösen oder eine bestehende Psoriasis verschlechtern. Insbesondere bei der tropfenförmigen Schuppenflechte, Psoriasis guttata, besteht ein Zusammenhang zu Infektionen der oberen Atemwege. Zudem werden bei starker Immunschwäche schwere Krankheitsverläufe der Psoriasis beobachtet.

Die Empfehlung für Betroffene lautet daher: vor grippalen Infekten schützen, eine Grippeschutzimpfung erwägen und regelmäßig zur ärztlichen und zahnärztlichen Vorsorge gehen!

Klima & Reisen

In den kälteren, sonnenärmeren Jahreszeiten bemerken Betroffene oft eine Verschlechterung des Hautbefundes und/oder etwaiger Gelenkschmerzen, während sich die Symptome im Sommer, im Trockenen und Warmen häufig verbessern. Beispielsweise gelten Nordsee, Totes Meer und Mittel- und Hochgebirge in Bezug auf Psoriasis als Regionen mit günstigen klimatischen Verhältnissen – vor allem, wenn es dort sonnig ist. Ein Aufenthalt in solchen Gebieten im Sinne einer Klimatherapie kann deshalb sinnvoll sein.

Trotz aller Vorteile von natürlichem Sonnenlicht sollte bei Sonnenexposition beachtet werden, dass ausreichender Lichtschutz gegen UVA- und UVB-Strahlen besteht und direkte Mittagssonne sowie Sonnenbrände vermieden werden. Berücksichtigt werden muss auch, dass manche Medikamente die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Von Solariumbesuchen wird gänzlich abgeraten, diese steigern das Hautkrebsrisiko.

Ist eine Reise geplant, sollte vor Antritt sichergestellt werden, dass ausreichend Medikamente mitgenommen, diese richtig transportiert und vor Ort bestimmungsgemäß aufbewahrt werden. Gegebenenfalls ist bei Flugreisen eine Bescheinigung erforderlich, dass Medikamente im Handgepäck transportiert werden dürfen. Diese kann von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgestellt werden.

Mechanische und physikalische Reize

Mechanische oder physikalische Reizungen der Haut, wie zum Beispiel Kratzer und Verletzungen, Verbrennungen einschließlich Sonnenbränden oder Reibung durch enganliegende Kleidung können neue Psoriasis-Herde hervorrufen. Dieses Phänomen wird als „Köbner-Phänomen“ (isomorpher Reizeffekt) bezeichnet. Betroffene sollten solche Reize so gut es geht vermeiden, um keine neuen Läsionen zu provozieren!

Medikamente

Es gibt Medikamente, die im Verdacht stehen, im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren, Psoriasis oder Psoriasis-Schübe auszulösen. Hierzu zählen allen voran Blutdrucksenker wie Beta-Blocker, das Antipsychotikum Lithium, Antimalariamittel wie Chloroquin und auch nicht-steroidale Antirheumatika. Paradoxerweise können manchmal sogar TNF-α-Inhibitoren, also Medikamente, die eigentlich zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt werden, eine Entstehung oder Verschlechterung von Psoriasis verursachen.

Für all diese Präparate gilt, dass bei Einnahme und gleichzeitigem Vorliegen einer Schuppenflechte Risiken und Nebenwirkungen gegeneinander abgewogen werden müssen. Wenn ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Neuverordnung eines der genannten Medikamente und einem Psoriasis-Schub besteht, sollte eine Wechsel des Medikaments geprüft werden. Andernfalls ist eine Umstellung meist nicht erforderlich.

Bei der innerlichen Therapie mit Glukokortikoiden ist der Einfluss auf die Psoriasis klar: Nach Einnahme verbessert sich der Hautbefund zwar zunächst, kurze Zeit nach dem Absetzen der Medikamente kommt es aber oft zu einer deutlichen Verschlechterung. Dieses Phänomen wird als „Rebound“ bezeichnet. Mit wenigen Ausnahmen sollten deshalb Glukokortikoide in Form von Tabletten und Infusionen bei Psoriasis möglichst vermieden werden!

Pflege

Eine schonende Reinigung und tägliche Hautpflege ist zwar unter Umständen zeitaufwändig, aber eine wichtige Grundlage jeder Psoriasistherapie.

Hierfür ist es nützlich zu wissen, dass Duschen im Vergleich zum Baden die Haut weniger austrocknet. Letzteres ist jedoch wirksamer beim Aufweichen grober Schuppen. In beiden Fällen sollte die Häufigkeit beschränkt sowie allzu heißes Wasser, gewaltsames Ablösen oder Abkratzen von Schuppen und Reiben beim Abtrocknen vermieden werden, um nicht neue Psoriasisherde zu provozieren. Besser ist es beispielsweise, die aufgeweichten Hautschuppen sanft mit einer weichen Bürste abzurubbeln und den Körper vorsichtig trocken zu tupfen.

Unmittelbar im Anschluss aufgetragen, wirken rückfettende Pflegeprodukte am besten. Das Eincremen sollte aber auch unabhängig von der Reinigung täglich erfolgen. Insbesondere für Männer ist dies häufig zunächst gewöhnungsbedürftig.
Unter dem Begriff „Basispflege“ zusammengefasst, helfen die genannten Maßnahmen, die Hautbarriere zu verbessern, Juckreiz vorzubeugen oder zu lindern, Schuppen aufzuweichen und somit die betroffenen Hautstellen äußerlichen medikamentösen Therapien besser zugänglich zu machen.

Bei den Pflegeprodukten eignen sich besonders Urea- (Harnstoff-) haltige Präparate, wenn die Haut trocken und schuppig ist. Bei offenen Stellen kann Harnstoff jedoch brennen. Glyzerin stellt dann eine gute Alternative dar. Im Herbst und Winter sind fetthaltigere Cremes und Salben geeignet, während in den warmen Monaten leichtere Lotionen, Gele und Sprays besser toleriert werden. Für die schuppende Kopfhaut sollten schuppenlösende (keratolytische) Shampoos verwendet werden. Falls darüber hinaus ein seborrhoisches Ekzem vorliegt, können auch Shampoos mit antimykotischen, sprich gegen Pilze gerichteten Wirkstoffen sinnvoll sein.

Bei allen Reinigungs- und Pflegeprodukten sind Mittel ohne Zusatzstoffe wie Parabene, Duft- und Konservierungsmittel zu bevorzugen. Diese sind sowohl in Apotheken als auch in Drogeriemärkten erhältlich.

Rauchen

Es gibt viele gute Gründe dafür, das Rauchen einzuschränken oder besser noch damit ganz aufzuhören! Dies gilt erst recht bei der Psoriasis, denn Rauchen stellt einen Risikofaktor für die Entstehung einer Schuppenflechte, für einen schwereren Krankheitsverlauf und ein schlechteres Therapieansprechen dar. Dies trifft besonders für pustulöse Formen der Psoriasis an Händen und Füßen zu.

Aber auch alle anderen Betroffenen profitieren davon, die Finger vom Tabak zu lassen, schließlich geht es nicht nur um die Haut, sondern auch um die Lunge und das Herz-Kreislauf-System!

Sauna, Dampfbad und Schwimmbad

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist Psoriasis nicht ansteckend und wird nicht durch eine Pilzinfektion hervorgerufen. Daher steht dem Besuch von Saunen, Dampf- oder Schwimmbädern bei Psoriasis aus medizinischer Sicht nichts entgegen. Nach dem Schwimmen, Baden oder dem Sauna-Besuch – insbesondere nach Kontakt zu Chlorwasser – sollte die Haut mit einer rückfettenden Pflegecreme versorgt werden.

Bedauerlicherweise berichten Betroffene auch heutzutage noch von Stigmatisierung oder sogar Verweisen. Hier herrscht weiterhin ein großer Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung. Nur nicht von der Unwissenheit der Anderen entmutigen lassen! Eine Möglichkeit, unangenehmen Situationen vorzubeugen, besteht darin, die entsprechenden Einrichtungen vor dem geplanten Besuch für ein aufklärendes Gespräch zu kontaktieren.

Schwangerschaft und Stillen

Nach bisherigen Erkenntnissen beeinträchtigt Psoriasis weder die Zeugungsfähigkeit, die Schwangerschaft, noch die Geburt. Ebenso wenig wirkt sie sich auf das Stillvermögen aus. Die Kinder haben lediglich ein etwas erhöhtes Risiko, im Verlauf ihres Lebens selbst an einer Schuppenflechte zu erkranken.

Durch hormonelle und körperliche Umstellungen kann es während der Schwangerschaft zu einer veränderten Ausprägung der Psoriasis kommen. Bei etwa der Hälfte der Schwangeren bessert sich die Psoriasis. Bei bis zu einem Fünftel der Patientinnen tritt dagegen während der Schwangerschaft eine Befundverschlechterung ein. Sehr selten manifestiert sich im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Sonderform, die sogenannte generalisierte pustulöse Psoriasis, früher auch als Impetigo herpetiformis bezeichnet.
Tatsache ist: Die Psoriasis kann bei jeder Schwangerschaft unterschiedlich verlaufen.

Auf keinen Fall sollte eine Schuppenflechte ein Hindernis für den Kinderwunsch darstellen!
Wichtig ist nur: Betroffene sollten frühzeitig Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt halten, denn manche Behandlungen und Medikamente müssen in der Schwangerschaft und Stillzeit ausgesetzt bzw. durch andere ersetzt werden.

Sport

Regelmäßige körperliche Betätigung ist gesundheitsfördernd und allein deshalb auch bei Menschen mit Psoriasis zu begrüßen. Sport hilft, die Durchblutung zu fördern, Stress abzubauen und das Gewicht zu kontrollieren oder zu reduzieren. Zudem trägt sportliche Betätigung zu einer positiven Stimmung bei.

Gelegentlich kann durch das vermehrte Schwitzen Juckreiz ausgelöst werden. Dann ist es besser, statt auf Sportkleidung aus Kunstfasern auf atmungsaktive und leichte Materialien wie Baumwolle, Viskose, Seide und Leinen zurückzugreifen.

Stress

Betroffene berichten häufig von einem negativen Einfluss von Stress auf den Hautbefund und auf die mit Psoriasis verbundenen Symptome. Dies kann unter Anderem dadurch bedingt sein, dass Juckreiz und Schmerz in Stresssituationen stärker wahrgenommen werden.

Unabhängig von der Schuppenflechte schwächt lang anhaltender, seelisch belastender Stress die Immunabwehr und sollte allein deshalb möglichst vermieden werden.

In chronischen Stresssituationen ist es sinnvoll, die Ursachen zu erörtern und stressabbauende Maßnahmen, wie beispielsweise Sport, gute Schlafhygiene, progressive Muskelentspannung und auch psychologische Interventionen zu ergreifen.

Tiere

Tierhaare spielen bei Psoriasis ohne begleitende Allergien keine Rolle für die Krankheitsentstehung oder den Krankheitsverlauf.

Übergewicht

Übergewicht kann einem das Leben sprichwörtlich schwer machen! Es gibt zahlreiche gute Gründe gegen zusätzliche Pfunde, bei Psoriatikerinnen und Psoriatikern umso mehr. Denn Fettgewebe ist nicht passiv, ihm wird eine entzündungsfördernde Rolle zugesprochen.

Studien zufolge sind jedoch Erwachsene, Jugendliche und auch Kinder mit Schuppenflechte häufiger übergewichtig als die übrige durchschnittliche Bevölkerung.
Hierbei ist der Zusammenhang zwischen Psoriasis und Übergewicht vielschichtig. Eine Erklärung könnte sein, dass es gemeinsame genetische Faktoren zu geben scheint, die eine Neigung zu beidem begünstigen. Außerdem spielt der Lebensstil eine wesentliche Rolle: Betroffene fühlen sich durch ihre Erkrankung oft stigmatisiert. Manche scheuen sich daher, Sport zu treiben oder Schwimmen zu gehen. Durch Bewegungsmangel wird Übergewicht begünstigt, ebenso wie durch ungesunde Ernährung und Alkoholkonsum.

Gewicht und Krankheitsschwere beeinflussen sich gegenseitig – hierbei gilt oft: je größer das Übergewicht, umso schwerer ist die Psoriasis ausgeprägt. Das überflüssige Gewicht belastet zusätzlich die Gelenke. Dies ist besonders fatal, wenn eine Psoriasisarthritis vorliegt. Darüber hinaus steigern die zusätzlichen Kilos das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Lebererkrankungen.

Zu guter Letzt wirken innerliche Therapien bei Normalgewichtigen meist besser.
Deshalb: Überflüssige Pfunde loszuwerden hilft das Hautbild zu verbessern und so das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern!