Wie behandelt man die Psoriasis?

Obwohl die Psoriasis bisher als nicht heilbar gilt, ist sie erfreulicherweise inzwischen in den meisten Fällen erfolgreich behandelbar und der Leidensdruck deshalb gut in den Griff zu bekommen.

Für die Diagnostik und Therapie der Psoriasis existiert eine Leitlinie (S3-Leitlinie: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-001.html), die als Richtlinie zugrunde gelegt werden sollte.

Die Behandlung richtet sich unter anderem danach, welche Körperregionen in welchem Ausmaß betroffen sind und wie sehr sich die Erkrankung auf die subjektive Lebensqualität auswirkt. Berücksichtigt werden müssen bei der Therapiewahl außerdem das Alter, Nebenerkrankungen, Medikamente, Allergien, ein Kinderwunsch oder eine bestehende Schwangerschaft.

Selbstverständlich spielen auch individuelle Wünsche und Vorlieben der Patientinnen und Patienten und die persönliche Lebenssituation eine wichtige Rolle. Deshalb ist es ratsam, dass sie gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten realistische und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Therapieziele festlegen. Diese ermöglichen es, den Therapieerfolg zu messen und spielen allein deshalb für die Zufriedenheit mit der Behandlung eine wichtige Rolle.

Zur Behandlung der Psoriasis stehen heutzutage äußerlich anwendbare Medikamente und Pflegeprodukte (topische Therapien), mehrere Arten der Lichttherapie (Phototherapie) und verschiedene innerliche Medikamente (Systemtherapien) zur Verfügung. Bei den Systemtherapien unterscheidet man wiederum zwischen „traditionellen“ Therapeutika, die bereits seit Längerem im Einsatz sind, und den vergleichsweise neueren Medikamenten mit „small molecules“ und „Biologika“ (Antikörper oder Rezeptorantagonisten, die gezielt entzündungsfördernde Botenstoffe blockieren).

Patient nach innerer Therapie
Behandlung mit Ixekizumab – Patient vorher und nachher

Allgemein gilt, dass bei leichten Formen der Psoriasis oft äußerlich anwendbare Medikamente ausreichend sind, während bei mittelschweren und schweren Formen in der Regel Systemtherapien zum Einsatz kommen. Jedoch wird schlussendlich jede Patientin und jeder Patient individuell betrachtet.

Wir geben einen Überblick über die verschiedenen Therapiegruppen:

 

Basispflege

Hierzu zählt man eine schonende Reinigung der Haut, pflegende Bäder und vor allem das Auftragen rückfettender Cremes, Salben und Lotionen. Trotz ihrer Einfachheit ist die Bedeutung der Basispflege nicht zu unterschätzen! Auch wenn sie allein nicht zur vollständigen Abheilung führt, hilft sie, Spannungsgefühl und Juckreiz zu lindern und über ihren abschuppenden Effekt, die Wirksamkeit äußerlich aufgetragener Medikamente zu verbessern.

Obwohl die Basispflege sehr wichtig ist, werden die Kosten leider meist nicht von den Krankenkassen erstattet.

Äußerliche medikamentöse Therapie

Bei der äußerlichen medikamentösen Behandlung der Haut und/oder der Nägel kommen unterschiedliche Medikamente in Form von Cremes, Salben, Gels, Sprays und Sprühschäumen zur Anwendung. Diese Art der Behandlung wird auch als topische Therapie bezeichnet. Je nach Inhaltsstoffen variieren Wirkungsweise und die Nebenwirkungen. Die Präparate werden bei leichteren Krankheitsausprägungen allein und bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt.

Medikamente erster Wahl für die Behandlung der leichten Psoriasis sind Vitamin D-Analoga, Kortikosteroide und Kombinationen aus beidem. Daneben werden Salicylsäure und andere sogenannte Keratolytika zum Ablösen der Schuppen verordnet. Im Rahmen von stationären oder teilstationären Behandlungen kann eine Reiztherapie mit Dithranol durchgeführt werden; ambulant ist diese Therapie schwierig zu handhaben.

 

Lichttherapie

Hinter dem Begriff Licht- oder Phototherapie verbirgt sich eine Behandlung mit gefiltertem UV-Licht aus dem UVA- oder UVB-Bereich. Es wird in einer Kabine appliziert, die aber nicht mit einem Solarium verwechselt werden sollte. Ebenso wenig hat die Lichttherapie etwas mit Röntgenstrahlen zu tun, auch wenn sie umgangssprachlich manchmal als „Bestrahlung“ bezeichnet wird.

In der Regel erfolgen Lichtbehandlungen mehrmals wöchentlich über einige Wochen. Hierbei wird die Dosis stufenweise nach individueller Verträglichkeit gesteigert. Für die Behandlung der Psoriasis besonders gut geeignet ist eine Lichttherapie mit Schmalspektrum-UVB. Alternativ kann eine Behandlung mit UVA-Licht vorgenommen werden, bei der die Haut zuvor mittels lichtsensibilisierender Bäder oder Cremes für die Strahlung empfänglicher gemacht wird. Diese Form der Lichttherapie (Balneo-Phototherapie) wird als Bade-PUVA oder Creme-PUVA bezeichnet, wobei „P“ als Abkürzung für den Lichtsensibilisator Psoralen steht.

Um das Risiko für potentielle Langzeitnebenwirkungen wie Hautalterung oder weißen Hautkrebs möglichst gering zu halten, sollten Lichttherapien nur über einen zeitlich begrenzten Zeitraum und möglichst nicht bei Kleinkindern durchgeführt werden.

Innerliche medikamentöse Therapie

Zu den Systemtherapien werden alle Medikamente gezählt, die in Form von Tabletten, Kapseln, Säften oder Spritzen eingenommen werden und deshalb auf den gesamten Körper wirken. Sie kommen bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis, Nagelpsoriasis und/oder bei Vorliegen einer Psoriasisarthritis in Frage. Das Spektrum der innerlichen Behandlungsmöglichkeiten hat sich in den vergangenen Jahren drastisch erweitert, sodass man heutzutage erfreulicherweise auf eine Vielzahl von effektiven Behandlungsmöglichkeiten zurückgreifen kann.

PASI-Score-Werte zugrunde legend beobachtet man bei vier Fünfteln der Patientinnen und Patienten eine Besserung der Hautveränderungen um 75%, bei 70% der Betroffenen sogar um 90% und etwa die Hälfte der Behandelten ist unter Therapie sogar vollständig erscheinungsfrei. Deshalb kann man sagen, dass auch wenn eine Heilung der Psoriasis bisher nicht möglich ist, sich die Symptome der Erkrankung mit modernen Medikamenten dennoch deutlich verbessern lassen!

Einen Überblick über die derzeit zur Behandlung der mittelschweren und/oder schweren Psoriasis zugelassenen Wirkstoffe gibt die folgende Tabelle:

Traditionelle SystemtherapienSmall modeculesBiologika
Fumarsäureester
Methotrexat
Acitretin
Ciclosporin
Phosphodiesterase-4-Inhibitoren
– Apremilast
TNF-α-Antagonisten
– Adalimumab
– Certolizumab Pegol
– Etanercept
– Infliximab
Interleukin 17-Antagonisten
– Brodalumab
– Ixekizumab
– Secukinumab
Interleukin 12/23-Antagonisten
– Ustekinumab
Interleukin 23-Antagonisten
– Guselkumab
– Risankizumab
– Tildrakizumab

 

Siehe dazu auch: Aktualisierter praxisnaher Behandlungspfad, Empfehlungen für die ambulante Versorgung von Psoriasis vulgaris R. von Kiedrowski, e.a. (Stand 30. 09. 2019)

online: https://www.onkoderm.de/empfehlungen-für-die-ambulante-versorgung-von-psoriasis-vulgaris/

Patientenschulung & Lebensweise

Betroffene sollten versuchen, über Ihre Lebensweise auch selber positiven Einfluss auf die Ausprägung und den Verlauf ihrer Psoriasis sowie mögliche Begleiterkrankungen zu nehmen.

Weiterführende Informationen hierzu haben wir in unserem Ratgeber zusammengefasst. Des Weiteren helfen Patientenschulungen und Selbsthilfegruppen, mehr über die Krankheit und den bestmöglichen Umgang mit dieser zu erfahren und nützliche Tipps zu erhalten.

Medizinische Rehabilitation

Eine mittelschwer bis schwer ausgeprägte Psoriasis kann unter Umständen die Erwerbsfähigkeit mindern oder gefährden, sei es durch ausgedehnte Hautveränderungen, eine eingeschränkte Beweglichkeit bei vorliegender Gelenkbeteiligung, oder auch bei schweren psychischen Belastungen infolge der Erkrankung. In diesen Fällen kann der Anspruch auf eine medizinische Rehabilitation (Reha) geprüft werden.

Ziele einer solchen Reha im Erwachsenenalter sind:

  • die Erwerbsfähigkeit zu erhalten und ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem
  • Beruf zu verhindern
  • Beschwerden und Schmerzen zu mindern
  • Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu erhöhen
  • Schulung über die Erkrankung und Befähigung zur Selbsthilfe
  • Motivation zur einer gesunden Lebensweise
  • Stress als Verstärkungsfaktor zu reduzieren

Träger einer Reha-Maßnahme ist bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit positiver Erwerbsprognose in der Regel die Deutsche Rentenversicherung, bei Personen im Ruhestand in den meisten Fällen die Gesetzliche Krankenversicherung.

Die medizinische Reha dauert bei Erwachsenen in der Regel drei Wochen, kann aber bei medizinischer Notwendigkeit auf ärztliche Empfehlung hin verlängert werden. Besonders zügig kann diese in Form einer Anschlussheilbehandlung bzw. Anschluss-Reha unmittelbar nach der klinischen Akutbehandlung begonnen werden.

Auch Kinder und Jugendliche mit Psoriasis haben in bestimmten Fällen einen Anspruch auf eine medizinische Rehabilitation. Diese kann verordnet werden, wenn ihre Leistungsfähigkeit durch die Erkrankung gemindert ist und die Reha eine Chance auf Besserung oder Wiederherstellung bietet. Das gilt auch, wenn mögliche Folgeerscheinungen der Erkrankung die spätere Erwerbsfähigkeit mindern könnten. Ein aktueller haus- oder kinderärztlicher Befund bildet die Grundlage für den Antrag. Die Reha dauert bei Kindern und Jugendlichen meist vier Wochen und kann ebenfalls verlängert werden.

Das breit gefächerte therapeutische Angebot einer Reha-Maßnahme bei Psoriasis reicht von der Anleitung zur dermatologischen Basispflege, über Sport, Schulungsangebote und psychologische Beratung, bis hin zu einer Vielzahl dermatologischen Behandlungen für die unterschiedlichen Schweregrade einer Psoriasis. Dermatologische Reha-Fachkliniken an der Nord- und Ostsee und auf den vorgelagerten Inseln weisen darüber hinaus Spezialisierungen in der Klima- und – ebenso wie eine Reihe von Reha-Kliniken im Binnenland – in der Balneotherapie aus.

Für alle Fragen rund um die Rehabilitation stehen die Service- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung (www.deutsche-rentenversicherung.de).