Zehn Jahre PsoNet: Antwort auf den Innovationsschub in der Therapie

BERLIN – Zehn Jahre besteht das Psoriasisnetz Berlin und Brandenburg. Mit einer besonderen Fortbildungsveranstaltung feierten die Mitglieder dieses Jubiläum der Vereinsgründung.

Zwei Zeitzeuginnen, Dr. Sandra Philipp und Dr. Margrit Simon, moderierten den Einstieg.

Den Anstoß gaben Innovationen bei Medikamenten zur Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis. Zwei PsoNet-Mitbegründerinnen, Dr. Margrit Simon, niedergelassen in Tempelhof, und Dr. Sandra Philipp, viele Jahre Leiterin des Psoriasis-Zentrums  an der Charité-Hautklinik, ließen bei der Festveranstaltung im Dialog diese Gründungsgeschichte Revue passieren.

Die neuen Behandlungsmöglichkeiten – nicht wie gewohnt zur topischen Behandlung von Hauterscheinungen, sondern zur innerlichen Behandlung – erforderten Änderungen des bestehenden Algorithmus zur Einordnung in den Kanon etablierter Therapien und ein Nebenwirkungsmanagement, um etwaige gesundheitliche Risiken möglichst frühzeitig zu erkennen. Die niedergelassenen Dermatologen wollten sich mit der Entwicklung in einem neu zu gründenden Qualitätszirkel befassen. Auf klinischer Seite lud die Charité ein, ihrem geplanten neuen Kompetenzzentrum beizutreten. Das Psoriasisnetz bündelte schließlich die gleichgerichteten Bemühungen in den Kliniken und Praxen.

Die Kräfte gebündelt

Erster Vorsitzender wurde Prof. Wolfram Sterry, damals Leiter der Charité-Hautklinik. Die Satzung regelte, dass das Leitungsamt alternierend zwischen Klinikern und Niedergelassenen wechselt;  eine Bestimmung, die bis heute Geltung behalten hat.

Ein besonderer Dank galt im Rückblick dem Referenten der Jubiläumsveranstaltung, Prof. Matthias Augustin, der die Blaupause lieferte. „Wir waren nämlich nicht die ersten“ erinnerte Dr. Simon. „Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir seit zehn Jahren ein PsoNet Berlin Brandenburg haben.“ Sein als bundesweites Dach konzipierter PsoNet e.V. legte 2008 eine Muster-Vereinssatzung vor und stellte sie den damals zahlreichen regionalen Gründungsinitiativen zur Verfügung.

Sein Vortrag gab Antwort auf ein Bündel von Fragen, die ein solches Jubiläum aufwirft, etwa: „Wo stehen wir heute in der Psoriasisversorgung? Was können wir mit den neuen Therapien erreichen? Und: Wo stehen die Psoriasisnetze? Wie geht es weiter?“

PsoNet bietet Orientierungshilfe

Die Dynamik des Umbruchs in der Psoriasistherapie seit dem Jahr 2005 machte der Hamburger Versorgungsforscher anhand eines Zahlenstrahls anschaulich. Demnach stehen den Dermatologen heute in Deutschland allein 27 Präparate zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis zur Verfügung. „Vor zehn Jahren war es nicht einmal die Hälfte“ so Augustin. „Das muss man erst einmal verdauen.“ Und mit Blick auf die Zukunft: „Da kommt etwas auf uns zu.“ Denn ein Ende des Innovationsschubs ist nicht absehbar.

Hand in Hand mit dieser Entwicklung ist nach Augustins Darstellung eine immer stärkere Ausdifferenzierung innerhalb der Fachgruppe zu beobachten. Denn: „Nur spezialisierte Dermatologen überblicken diese Vielfalt.“ Orientierungshilfe tut not; auch dazu ist ein Netz wie in Berlin und Brandenburg seiner Auffassung nach wichtig, zumal unter den Bedingungen einer Vergütung im System der Kassenärztlichen Vereinigungen, die für das erforderliche „Management der komplexen Psoriasis unzureichend ist“, so Augustin.

Regionale Unterschiede

Die Versorgungssituation in Deutschland unterscheidet sich nach den von ihm präsentierten Daten grundlegend von anderen Staaten in Europa. Nirgendwo ist der Markt der Biologika zuletzt innerhalb nur eines Jahres so stark gewachsen wie hier. (D: 25%, F: 17%, GB und I: 16%, ES: 6%). In Polen sind die neuesten Medikamente zur immunologischen Behandlung der Psoriasis gar nicht erst zur allgemeinen Versorgung zugelassen.

Doch selbst in Deutschland bestehen nach den Erkenntnissen der von Hamburg aus betriebenen dermatologischen Versorgungsforschung erhebliche regionale Unterschiede in der Verordnungshäufigkeit der innovativen Medikamente. Diese Unterschiede verlaufen entlang von KV-Grenzen. Und sie sind nach Augustins Eindruck vor dem Hintergrund der von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlichen Bedingungen zu betrachten, unter denen die Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelverordnung bei Dermatologen überprüft wird.

Brandenburg liegt bei den Pro-Kopf-Ausgaben für die Verordnung von Biologika bei Krankenkassenversicherten mit 6 EUR (2016) an der Spitze im Bundesländervergleich. Berlin rangiert mit knapp 4 EUR (2016) im oberen Mittelfeld. Hier unterscheidet sich die Fachgruppe deutlich von den Rheumatologen, bei denen eine vergleichbare regionale Spreizung bei der Behandlung der Psoriasis-Arthritis nicht zu beobachten ist. Ein neuer „Flickenteppich“ der Versorgung ist nach Augustins Worten bei den Biosimilars entstanden. So gibt es für diese Nachfolgeprodukte innovativer immunmodulierender Substanzen nach dem Ende des Patentschutzes regional unterschiedliche Regelungen und Quoten .

Deutlich bessere Therapieerfolge

Erreicht haben die Dermatologen nach seinen Worten mit der leitliniengerechten Verordnung der innovativen Systemtherapeutika allen Beschränkungen zum Trotz mit den neuen Therapieoptionen in der Psoriasisversorgung eine deutliche „Verschiebung der Meßlatte“ nach oben. Der Patient müsse heute nicht mehr ein halbes Jahr warten, ehe sich ein deutlich sichtbarer Therapieerfolg einstellt. Und: eine nahezu vollständige oder völlige Abheilung sei heute in der weit überwiegenden Zahl nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

Verantwortliche und Mitarbeiter/innen des PsoNet stellten sich nach dem Festvortrag zu einem Erinnerungsbild dem Fotografen.

Psoriasisnetze stellen nach Augustins Auffassung den frühen Zugang zu einer leitliniengerechten Versorgung sicher. Gleichzeitig stärken sie die Rolle des qualifiziert versorgenden Dermatologen. Den Patienten bieten sie mehr Sicherheit und einen höheren Nutzen. Sie sind damit ein wichtiger Motor, die 2010 erstmals für fünf Jahre auf Bundesebene mit Mitwirkung der Psoriasisnetze definierten „Versorgungsziele Psoriasis“ weiterzuverfolgen.

Und dieses Konzept macht über die Indikation Psoriasis hinaus Schule. Inzwischen gibt es Pläne, das Psoriasisnetz Berlin und Brandenburg zu einem  „Hautnetz“ auszubauen. Es sollte das gesamte Spektrum der chronisch-entzündlichen Dermatosen umfassen, so der Plan. Unter dem gemeinsamen Dach könnten weitere innovative Behandlungsmöglichkeiten – zum Beispiel bei Akne inversa oder Neurodermitis – noch besser begleitet werden: vor allem durch Fortbildung und Entwicklung von Behandlungspfaden. Augustin berichtete von gleich gerichteten Bemühungen im Hautnetz Hamburg sowie in anderen regionalen Netzen. Er ermutigte dazu ausdrücklich.

Eines der in der Aussprache zum Festvortrag lebhaft diskutierten Themen waren die Voraussetzungen für die Teilnahme an einem mit der Techniker Krankenkasse neu vereinbarte Versorgungsvertrag. Auf einen solchen Vertrag hatten der Berufsverband der Deutschen Dermatologen im Schulterschluß mit Psoriasisnetzen und Nationaler Versorgungskonferenz Psoriasis viele Jahre lang hingearbeitet.

Einladung zur Fortbildung

Erforderlich zur Teilnahme ist ein Nachweis, mit innovativen systemischen Psoriasistherapien erfahren zu sein. Das Psoriasis-Zertifikat der Deutschen Dermatologischen Akademie und entsprechende Kursangebote stellt einen, jedoch nicht den einzigen Weg dar, den geforderten Nachweis zu erbringen. Die amtierende Berliner Psoriasisnetz-Vorsitzende Prof. Wiebke Ludwig-Peitsch verwies auf das vierteljährliche Fortbildungsangebot des Berlin-Brandenburger Netzes. Es stelle eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, die geforderte regelmäßige Psoriasisfortbildung zu dokumentieren. Dr. Simon hatte schon in ihrem Eröffnungsstatement mit Temperament und Leidenschaft dafür geworben, möglichst viele Gäste bei diesen Fachvorträgen demnächst wieder begrüßen zu können.

Autor: Ralf Blumenthal